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Markus Wild
Der Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Historischen
Verein für die Stadt und den Landkreis Fürstenfeldbruck führte seine diesjährige
Ausgrabung wieder auf dem Plateau des Schlossberges, genannt „Sunderburg“ im
Ampertal zwischen Schöngeising und Grafrath durch. Auf dem nach zwei Seiten
steil abfallenden, annähernd dreieckigen Sporn der Sunderburg wurde in der
jüngeren Frühbronzezeit (um 1700 – 1600 v.Chr.) eine Höhensiedlung angelegt.
Die bisher geborgenen Funde belegen eine Besiedlung auf dem etwa 120 x 120 m großen
Areal bis in die Ältere Eisenzeit (Hallstattzeit). Die unmittelbare Nähe zur
Amper als wichtigstem Verkehrsweg in vorgeschichtlicher Zeit sowie der
natürliche Schutz durch die Spornlage direkt über dem Fluss dürfte für die
Ansiedlung entscheidend gewesen sein. Die nicht geschützte Süd-West-Seite des
Plateaus wurde durch ein doppeltes Wall-Graben-System gesichert, das auch heute
noch deutlich im Gelände zu erkennen ist.
Nach bisher drei Kampagnen[1],
in denen der Innenraum der Siedlung untersucht worden war, sollte in dieser
Kampagne ein Schnitt durch die Befestigungsanlagen gelegt werden. Da in den
vorhergehenden Grabungen auch eine mittelalterliche Besiedlung festgestellt
werden konnte, zu der wohl der hohe, halbrunde Wall auf der Spitze des Sporns
(die eigentliche „Sunderburg“) gehört, war das vorrangige Ziel der
Untersuchung, das Alter und den Aufbau der Abschnittsbefestigung zu klären.
Bei außergewöhnlich freundlichem Grabungswetter in den
ersten beiden Septemberwochen beteiligten sich bis zu 20 Mitglieder des
Arbeitskreises mit den Vorsitzenden Otto Meissner und Rolf Marquardt sowie dem
Kreisheimatpfleger Toni Drexler an den Arbeiten. Die wissenschaftliche Leitung
oblag Markus Wild M.A.
Am Samstag den 2. September wurde damit begonnen, den für
einen Wallschnitt geeigneten Platz von Blättern, Ästen und niedrigem Buschwerk
zu säubern und den Schnitt einzumessen. Es wurde ein 17 x 2 m großes Areal
abgesteckt, das von der Krone des äußeren Walls bis in den Innenraum der
Siedlung reichte. Durch die Einbeziehung des Innenraums sollte der Anschluss an
eine möglicherweise bis an den inneren Wall reichende Bebauung erreicht werden.
Innerhalb von zwei Wochen wurde der Schnitt von Hand bis auf den gewachsenen
Kies der Endmoräne ausgehoben. Dabei wurde der Boden, wenn möglich, nach
Befunden und Schichten getrennt abgetragen. Da der gesamte Aushub gesiebt
wurde, konnten aus den einzelnen Schichten überraschend viele Funde geborgen
werden.
Von Grafrath bzw. vom Jexhof kommend sind von der Siedlung
als erstes zwei Wälle mit jeweils vorgelagerten Gräben erkennbar. Der innere
Wall ist zwar schon stark verschliffen und teilweise sogar vollständig verebnet
aber an den meisten Stellen noch gut zu erkennen. Der äußere, deutlich höher
erhaltene Wall ist nach innen terrassiert und fällt steil zum äußeren Graben
hin ab. Zwischen beiden Wällen liegt ein weiterer Graben, der unter
fortifikatorischen Gesichtspunkten unnötig, ja sogar äußerst ungünstig ist,
wenn nicht dahinter ein höherer Wall aufragt. Da der dahinter liegende Wall
aber deutlich niedriger ist und sich im Grabungsbefund keine Anzeichen für ein
Verebnen des Walles durch Pflug oder Erosion fanden, waren die Wälle wohl nie
gleichzeitig in Benutzung sondern gehören zwei unterschiedlichen Bauphasen an.
Der innere Wall wäre demnach der ältere und wurde wohl zum größten Teil
abgetragen, als der äußere Wall errichtet wurde. Wahrscheinlich verwendete man
sogar das ältere Material für dessen Aufschüttung. Warum allerdings der
dazwischen liegende Graben, der ja seine Funktion mit dem Bau des äußeren
Walles verloren hatte, nicht verfüllt wurde, ist unklar. Einen Anhaltspunkt
hierzu bietet die Bodenbeschaffenheit auf dem Plateau: Sowohl im Bereich der
Siedlung als auch außerhalb davon liegt auf dem gesamten Moränenzug unter der
Humuslage eine lehmig-sandige Schicht, die den darunter liegenden
Moränenschotter zwar nicht wasserdicht abschließt aber doch bei starkem Regen
zu einiger Staunässe führen dürfte. Um das Oberflächenwasser im Bereich der
Siedlung abzuleiten wurde daher möglicherweise der innere Graben nicht
zugefüllt sondern in anderer Funktion als Drainage-Graben weiter verwendet. Das
sich darin anstauende Wasser hätte darüber hinaus einen praktischen Nutzen zur
Versorgung von innerhalb der Siedlung gehaltenem Vieh gehabt.
Die Grabungsbefunde
Nach dem Abtragen der Humuslage waren beide Wälle als
kiesige Erhebungen im Planum gut zu erkennen. Der innere Wall war nur noch etwa
20 cm hoch erhalten. An seiner Außenseite, zum Graben hin, fanden sich größere
Steine in Humus gesetzt; möglicherweise eine Abstützung der Grabenwand oder die
Reste einer Steinverblendung des Walles, die in den Graben gerutscht war. Gegen
letztere Deutung spricht allerdings, dass sich in der Grabenverfüllung und zwischen
den Steinen kaum kiesiges Material aus dem Wallkörper fand.
Auf der Innenseite des Walls zur Siedlung hin stand eine
etwa 20 – 25 cm starke, hellbraune sandig-lehmige Schicht an, die zahlreiche
Keramikfragmente und Holzkohle enthielt und daher zunächst für eine künstlich
aufgetragene Planierschicht gehalten wurde. Nach einigen Sondagen im Innen-
und Außenbereich der Siedlung wurde
jedoch klar, dass die Lehmschicht auf dem Plateau flächig auf dem
Moränenschotter aufliegt und nur im Siedlungsbereich Keramik- und
Holzkohlereste enthält. Die überwiegende Mehrheit der Funde stammt aus den mit
mehr Humus durchsetzten oberen 10 cm dieser Schicht. Daher ist anzunehmen, dass
die Lehmschicht in der Siedlung die oberste Bodenlage bildete, worin die Funde
eingetreten worden waren. Der oberste „Begehungshorizont“ der Siedlung wäre vom
heute anstehenden Humus wohl nicht mehr zu trennen. Nur im Bereich unter dem
inneren Wall fand sich ein Humusband als oberste Lage der Lehmschicht, das wohl
als alte Bodenoberfläche vor bzw. während dem Bau des Walles zu interpretieren
ist (Befund 8). Anzumerken ist, dass das Fundbild im Inneren der Siedlung nicht
ausschließlich während der vorgeschichtlichen und mittelalterlichen Besiedlung
zustande kam, sondern durch die Beweidung mit Vieh noch bis in jüngste Zeit
Funde tief in die anstehende Lehmschicht gedrückt worden sein können.
Der erhoffte Anschluss an die Innenbebauung wurde leider auch
durch eine Erweiterung des Grabungsschnittes um zwei Meter Richtung Osten nicht
erreicht. Dies wäre das Ziel für eine weitere Grabungskampagne, die dann aber
einen größeren Bereich des Innenraums einbeziehen müsste um Fragen zum
Siedlungsbild und zum Hausbau klären zu können.
Auf der Lehmschicht waren beide Wälle errichtet worden, nur
im Bereich des inneren Grabens wurde diese Schicht durchschlagen, der Graben in
den darunter liegenden Moränenkies eingetieft.
Der Graben war an der tiefsten Stelle mit etwa 80 cm stark
durchwurzeltem, aber homogenen Humus verfüllt, die ursprüngliche Tiefe unter
dem alten Bodenniveau dürfte 1,20–1,40 m betragen haben. Da keine
unterschiedlichen Einfüllschichten vorlagen, ist anzunehmen, dass der Graben
während der gesamten Belegungsdauer der Siedlung offen gehalten wurde und seine
Funktion als Entwässerungsgraben möglicherweise noch bis in mittelalterliche
Zeit behielt. Der relativ geringe Fundanfall aus sehr kleinteilig zerscherbter
Keramik bestätigt zusätzlich die Annahme, dass die Auffüllung nur aus
abgeschwemmtem Material von den Seiten sowie akkumulierten organischen Resten
bestand und der Graben nie mit Siedlungsabfall verfüllt worden war.
Der äußere Wall bestand aus relativ kleinteiligem Kies und
war an der höchsten Stelle noch etwa 1,40 m über der anstehenden Lehmschicht
erhalten. Außer einigen farblich leicht variierenden Kiesbändern, die wohl
einzelne Arbeitsschritte bei der Aufschüttung oder verschiedene
Ausgangsmaterialien reflektieren, wurden keine unterschiedlichen Bauphasen in
der Wallaufschüttung festgestellt. Der Wall ist daher sicher in einem Zug
errichtet worden. Als Baumaterial verwendete man zum Teil den Aushub des
äußeren Grabens, aber wohl auch das Material des fast vollständig abgetragenen
inneren Walls.
Unter der Aufschüttung lag die bereits unter dem inneren
Wall beobachtete Lehmschicht, auch hier mit Keramik und Holzkohle vermischt. In
diese Lehmschicht war eine etwa 50 cm tiefe vermeintliche Pfostengrube (Befund
13) eingetieft, die sicher älter als der äußere Wall ist und wohl auch älter
als der innere Wall sein dürfte, da eine Bebauung direkt im Vorfeld des Walls
wohl nicht anzunehmen ist. Offenbar war die Siedlung während einer älteren
Phase größer und wohl auch zu diesem Zeitpunkt noch unbefestigt. Eine weitere
humose Verfärbung unter dem Wall (Befund 12) ist mit etwa 15 cm zu flach für
eine Pfostengrube und kann nicht sicher als künstliche Vertiefung angesehen
werden. Es könnte sich auch um eine natürliche Senke in der umgebenden
Lehmschicht handeln, in der sich mehr Humus angesammelt hat.
Auf der Wallinnenseite war im Bereich des Grabungsschnittes
eine leichte Terrassierung sichtbar, die an anderen Stellen nicht mehr
feststellbar war. Dort dürfte das Wallprofil durch Baumbewuchs schon stärker verschliffen
sein. Diese Stufe konnte durch stabilisierende senkrechte Einbauten in der
Wallkrone und dadurch einer logischerweise stärkeren Begehung der Innenseite
entstanden sein. Da mit einer hölzernen Brustwehr, Palisade oder gar einer
Mauer zu rechnen war, wurde der Grabungsschnitt nur bis zur Wallkrone angelegt,
um an dieser Stelle ein Längsprofil des Walls zu erhalten. Tatsächlich fand
sich an der Stirnseite des Grabungsschnittes eine etwa 1,30 m tiefe Grube, die
aus etwas dunklerem Kies als der umgebende Wallkörper bestand und in ihren
Ausmaßen sicher dokumentiert werden konnte. Die Grube nahm oben mit einer
maximalen Breite von über 1,40 m fast die gesamte Fläche des
Stirnseiten-Profils ein und reichte nach unten fast bis zur anstehenden
Lehmschicht unter dem Wall. Für eine einfache Palisade wäre eine solche Grube
viel zu mächtig, wahrscheinlicher ist daher, dass der Wall mit einer Holzwand,
möglicherweise einer Spaltbohlenwand aus starken senkrechten Pfosten im Abstand
von 2 – 3 m und eingezapften Querhölzern oder –brettern versehen war. Diese
Konstruktion wurde allerdings erst in einer zweiten Bauphase errichtet,
vielleicht um eine vorherige Palisade zu ersetzen, da die Grube nachträglich in
den bereits bestehenden Wall eingebracht wurde. Eine Blockkonstruktion im Sinne
einer Holz-Erde-Mauer ist dagegen auszuschließen, da sich im Wall selbst keine
Spuren hölzerner Einbauten fanden. Präzisere Angaben zum Aufbau der hölzernen
Verteidigungsanlagen sind allerdings erst von einer weiteren Ausgrabung im Bereich
der äußeren Wallhälfte zu erwarten.
Die Datierung der
Wallanlagen
Da der gesamte Abraum gesiebt wurde, ist die Zahl der Funde
erstaunlich hoch, vor allem wenn man bedenkt, dass die Grabung sich auf den
Wall beschränkte und keine fundintensiven Objekte wie Abfallgruben oder
Hausstrukturen angeschnitten wurden. Den bei weitem überwiegenden Teil der
Funde macht die Keramik mit über 500 meist sehr kleinteiligen und oft schon
stark verrundeten Scherben aus. Dazu kommen einige wenige Fragmente von Tierknochen
und –zähnen aus der Humusauflage. Deren Zugehörigkeit zur vorgeschichtlichen
Besiedlung ist trotz der unsicheren Befundlage relativ wahrscheinlich, da es
sich nach dem osteologischen Befund um keine modernen Knochen handelt[2].
Auch eine mittelalterliche Datierung ist wohl auszuschließen, da sich im
gesamten Grabungsschnitt keine Keramik aus dieser Zeit fand. Unter den
auswertbaren Knochen sind drei Zähne und zwei Langknochenfragmente von Rindern,
ein weiterer Knochen stammt vom Oberschenkel eines jungen Schweins, eines jungen
Schafes oder einer jungen Ziege. Einer der Rinderknochen und ein weiteres
unbestimmbares Exemplar sind verbrannt und zeigen Schnitt- und Glättspuren. Die
geringe Zahl an Tierknochen überrascht in einer Siedlungsgrabung, ist aber wohl
auf die schlechten Erhaltungsbedingungen für Knochen im kalkarmen Milieu des
lehmigen Untergrunds zurückzuführen.
Die Funde sind alle als oberflächlich aufliegender oder
zufällig in den Boden gelangter Siedlungsmüll zu interpretieren, der in den meisten
Fällen zudem mehrmals umgelagert sein kann; von einer bewussten Niederlegung
kann in keinem Fall gesprochen werden. Dies erschwert eine Feindatierung der
Baustrukturen erheblich.
Trotz der relativ großen Zahl an Scherben ist die Masse der
Keramik zeitlich nicht genau einzuordnen, da sich fast nur unverzierte
Wandscherben von handgemachten Gefäßen darunter befinden, die nur ungefähr in
die Bronzezeit bzw. in die Ältere Eisenzeit datiert werden können. Auffällig
ist das Fehlen jeglicher Mittelalter-Keramik im gesamten Grabungsschnitt. Eine
mittelalterliche Datierung der Abschnittsbefestigung ist daher sicher
auszuschließen. Da sich nicht einmal in der obersten Humuslage mittelalterliche
Keramik befand, ist wohl davon auszugehen, dass sich die Besiedlung in dieser
Zeit auf einen kleinen Raum auf der Spitze des Geländesporns beschränkte, wo in
den früheren Grabungskampagnen auch mittelalterliche Funde zu Tage gekommen
waren.
Für eine genauere zeitliche Einordnung der beiden Wälle
stehen nur eine Hand voll verzierte Scherben und Gefäßränder zur Verfügung. Von
diesen stammen einige wiederum aus Befunden, die als nicht geschlossen oder
umgelagert angesehen werden müssen, wie die Lehmschicht innerhalb der Siedlung,
die Grabenverfüllung oder der zum Teil aus älterem Material aufgebaute äußere
Wall. Einen Anhaltspunkt bieten lediglich Funde aus Schichten, die von darüber
liegenden Befunden abgeschlossen wurden und von diesem Moment an keine Veränderung
mehr erfuhren. Dies sind z.B. die Lehm- und Humusschichten unter den beiden
Wällen sowie die Pfostengrube (Befund 13) und die flache humose Verfärbung
unter dem äußeren Wall (Befund 12). Das Fundgut aus diesen Befunden muss vor
oder während dem Bau der Wälle in den Boden gelangt sein.
Von den etwa 20 geborgenen Gefäßrändern und verzierten
Scherben sind leider nur die wenigsten charakteristisch genug, um sie innerhalb
der Bronzezeit genauer zu datieren.
Aus der Pfostengrube Befund 13 stammt eine Scherbe mit
wulstigem, oben gerade abgeschnittenen Rand, die in das Keramikspektrum der
ausgehenden Frühbronzezeit gehört. Aus der flachen Grube Befund 12 liegt eine
Wandscherbe mit feinem Punktstichmuster vor und aus der Wallschüttung selbst
eine Scherbe mit kornstichartigen Eindrücken und einer begleitenden Ritzlinie.
Diese Verzierungsarten sind charakteristisch für die jüngere Frühbronzezeit und
den Übergang zur Mittelbronzezeit. Ebenfalls in diese Zeit zu datieren ist die
Randscherbe eines steilwandigen Gefäßes aus der Humusschicht zwischen dem inneren
Wall und der darunter liegenden Lehmschicht. In der Lehmschicht unter dem
äußeren Wall fand sich eine frühbronzezeitliche Griffzunge und zwei
Randscherben eines dünnwandigen Gefäßes. An einer der Scherben ist noch der deutlich
abknickende Wandansatz zu erkennen. Solche scharf profilierten Gefäße kommen im
Formenbestand der Früh- und Mittelbronzezeit nicht vor, sie sind in die
Spätbronzezeit (Urnenfelderzeit) zu datieren. Ein ähnliches, allerdings
graphitiertes Stück stammt aus Objekt 10 der Grabung von 2002 am Sporn der
Sunderburg und wird von M. Schefzik in die späte Urnenfelderzeit oder den
Beginn der Hallstattzeit datiert[3].
Daraus ergibt sich für den darüber liegenden äußeren Wall
eine früheste Datierung in die jüngere Urnenfelderzeit (Stufe Ha B, 11./10. Jh. v. Chr.). Das zeitliche Verhältnis zum
älteren Wall auf der Innenseite ist leider nicht zu ermitteln; das Vorkommen
von einer frühbronzezeitlichen Randscherbe unter dem Wall gibt hier keinen
sicheren Datierungsansatz. Wie die Pfostengrube Befund 13 zeigt, wurden die
Wälle auf vorher bereits genutztem Siedlungsgelände errichtet. Daher überrascht
das häufigere Vorkommen älterer Keramik in diesem Bereich nicht, es wäre im
Gegenteil weit ungewöhnlicher wenn sich in größerer Zahl die zum Wallbau
zeitgleiche Keramik fände.
Parallel zur Grabung wurde das Siedlungsareal auch
oberflächlich mit einer Metallsonde abgesucht. Dabei fand sich außer einer
hochmittelalterlichen Münze des 9./10 Jh. das Fragment eines Bronzegusskuchens.
Da es sich um einen Streufund handelt, ist keine Datierung anzugeben, aber es
lässt sich dadurch wohl doch auf vorgeschichtliche Metallverarbeitung in der
Siedlung schließen.
Die Ergebnisse der Ausgrabungen auf der Sunderburg fügen
sich gut in das allgemeine Bild der bronzezeitlichen Besiedlung Bayerns ein[4].
Obwohl von vielen Plätzen nur Lesefunde vorliegen lassen sich zwei deutliche
Zeithorizonte erkennen, in denen Höhensiedlungen angelegt oder ausgebaut
werden. Dies ist einerseits der Übergang von der Frühen zur Mittleren
Bronzezeit (1800 – 1600 v.Chr.) und andererseits die Zeit der Mittleren und
Späten Urnenfelderzeit (1100 – 800 v.Chr.). Mit dem Ende der Urnenfelderzeit
brechen sämtliche Höhensiedlungen in Bayern ab und nur wenige werden in der
Jüngeren Hallstattzeit oder der Frühlatènezeit wieder besiedelt. Die wenigen
hallstattzeitlichen Funde von der Sunderburg könnten allerdings Indizien für
ein Weiterbestehen der Siedlung bis in die Ältere Eisenzeit sein.
Nicht nur in Bayern, sondern in ganz Mitteleuropa beginnt
mit der jüngeren Frühbronzezeit ein tiefgreifender Kulturwandel sichtbar zu
werden, der sich im Aufkommen gegossener Zinnbronzen, einer allmählichen
Veränderung der Grabsitte von Flachgräbern zu Hügelgräbern und in der Anlage
von Höhensiedlungen manifestiert. Dies wird oft im Zusammenhang mit der
Ausbildung einer sozialen Oberschicht mit weitreichender wirtschaftlicher und
politischer Macht gesehen, doch fehlen in Bayern bisher in den Gräbern jegliche
Anzeichen für die Existenz einer solchen Elite. Erst in der Spätbronzezeit
lässt sich in reichen Bestattungen mit Wagen- und Schwertbeigaben eine gehobene
soziale Schicht erahnen. In den Siedlungen gibt es, möglicherweise aufgrund
mangelnder Flächengrabungen bislang keine Belege für eine räumliche Absonderung
der Wohnbereiche einer Oberschicht. Fakt ist jedoch, dass sich in den Höhensiedlungen
ein erhöhtes Schutz- oder Repräsentationsbedürfnis (oder beides) zeigt, das
einerseits auf unruhige Zeiten, andererseits auf ein steigendes
Selbstbewusstsein der Bewohner deuten könnte. Zu einer regelhaften Umwehrung
der Anlagen mit Wällen und Gräben kommt es allerdings, wie auf der Sunderburg,
erst in der jüngeren Spätbronzezeit, die Siedlungen der Früh- und Mittelbronzezeit
sind, soweit dies der geringe Kenntnisstand erkennen lässt, noch weitgehend
unbefestigt. Ob die Ursache dafür in einer Bedrohung von außen oder in
Rivalitäten unter den „herrschenden Clans“ zu suchen ist, wird in der Forschung
kontrovers diskutiert. Die Grundlage der Macht (und der Rivalitäten)
bronzezeitlicher Eliten wird vor allem im wirtschaftlichen Bereich gesehen, im
verstärkten Aufkommen eines Rohstoffhandels mit den Kupferbergbaugebieten in
Tirol und Salzburg. Das bayerische Alpenvorland wäre dabei ein wichtiges
Transferland im bronzezeitlichen Gütertauschsystem gewesen und hätte einen
raschen wirtschaftlichen Aufstieg und damit verbundene soziale Umwälzungen
erfahren. Tatsächlich gruppieren sich die südbayerischen Höhensiedlungen alle
an verkehrsgünstigen Plätzen entlang der Flussläufe, wie z.B. die Anlagen auf
dem Schlossberg von Landsberg am Lech, auf dem Freisinger Domberg und dem
Frauenberg bei Weltenburg, oder die ebenfalls über dem Ampersteilufer erbaute
Siedlung von Bernstorf im Landkreis Freising. Die Wichtigkeit der Wasserwege
als Fernverbindungen ist hier deutlich zu sehen; nur im Fundmaterial lässt sich
ein solcher großangelegter bronzezeitlicher Fernhandel bislang kaum nachweisen.
Da bisher kaum auswertbare Baubefunde aus Höhensiedlungen
vorliegen, ist die Zahl der Bewohner und deren Siedlungs- und Wirtschaftsweise
noch weitgehend unklar. Auf dem Plateau der Sunderburg ist wohl kaum mit mehr
als 10 – 15 gleichzeitig bestehenden Wohnhäusern zu rechnen; bei einer
mittleren Zahl von 6 Personen pro Haushalt würde die Bevölkerungszahl demnach
knapp unter hundert liegen. Ohne Alte und Kinder blieben etwa 70 arbeitsfähige
Erwachsene übrig, von denen wiederum nur die Hälfte Männer wären. Für eine
ausreichende Sicherung des 120 m langen Walls im Falle eines Angriffs erscheint
diese Zahl sehr klein. Es ist daher fraglich, ob der Wall ein wirklich
sinnvolles Verteidigungswerk gewesen wäre, oder ob dabei nicht vielmehr der
Gedanke der Abschreckung und der Zurschaustellung von Macht im Vordergrund
stand. Der Bau und Unterhalt von Wall- und Grabenanlagen ist eine
Gemeinschaftsleistung, die sicher der Arbeitskraft einer größeren Zahl von
Menschen und außerdem einer gewissen Koordination innerhalb hierarchischer
Strukturen bedurfte. Ob diese Arbeitsleistung allein von den Bewohnern der
Höhensiedlung erbracht werden konnte, ist fraglich. Möglicherweise existierten
zur gleichen Zeit noch weitere Siedlungen im näheren Umkreis, die zur
Sunderburg in einem wie auch immer gearteten Verhältnis standen. Die
wirtschaftliche, kulturelle und möglicherweise auch politische
Mittelpunktsfunktion von Höhensiedlungen innerhalb einer Kleinregion mit
mehreren zeitgleichen Siedlungsplätzen wird vor allem für kleinere Anlagen wie
die Sunderburg oft angenommen ohne dies jedoch durch ausreichend gegrabene
Beispiele belegen zu können. Im oberen Ampertal zwischen Grafrath und
Schöngeising finden sich jedoch Anhaltspunkte, die für eine zusammengehörende
Siedlungskammer um die Sunderburg während der Bronze- und Hallstattzeit
sprechen. Im Umkreis von maximal 3 km um die Siedlung finden sich mindestens 10
Grabhügelfelder, die wohl unterschiedlichen Siedlungsverbänden zugeordnet
werden müssen. Für die Hallstattzeit lassen sich mindestens drei zeitgleich
belegte Gräberfelder nachweisen, bronzezeitliches Material ist aus vier
Gräberfeldern bekannt. Der zur Höhensiedlung gehörende Bestattungsplatz ist
möglicherweise das ca. 1 km südwestlich zwischen Grafrath und Mauern gelegene
Gräberfeld „Am Mühlhart“, mit mindestens 400 Grabhügeln von der Bronzezeit bis
zur Mittleren Laténezeit. Darunter befand auch ein reiches Frauengrab der Mittleren
Bronzezeit mit einem Hals- und Brustschmuck aus über 150 Bernsteinperlen[5].
Das Fundmaterial von der Sunderburg zeigt momentan keine
Kontinuität in der Besiedlung während der gesamten Bronze- und Älteren
Eisenzeit. Mittelbronzezeitliche Funde fehlen bislang ebenso wie eine größere
Zahl hallstattzeitlicher Funde. Möglicherweise ist die Höhensiedlung jeweils
nur phasenweise, über einen mittelfristigen Zeitraum von 200 – 300 Jahren
belegt gewesen, während die Besiedlung im unmittelbaren Umland kontinuierlich
fortbestand. Was die Menschen in der Urnenfelderzeit dann dazu bewegte, die
Siedlung wieder aufzusuchen und sie mit einem massiven Wall zu versehen, ist
nicht mehr zu ermitteln, für eine kurzzeitig genutzte Fluchtburg in
Krisenzeiten ist das Fundmaterial jedoch bei weitem zu reichhaltig. Genauere
Angaben zu den vorgeschichtlichen Besiedlungsvorgängen können aber nur weitere
Grabungen im Innenraum der Siedlung erbringen.
[1] vgl. Brucker Blätter
2002, 2003, 2005.
[2] Die Tierknochen wurde freundlicherweise von H. Mannhart und
C. Jones am Institut für Paläoanatomie der LMU München bestimmt.
[3] M. Schefzik, Eine neuentdeckte bronze- und
urnenfelderzeitliche Höhensiedlung mit Sicheldepot auf dem Schlossberg bei
Schöngeising, Lkr. Fürstenfeldbruck. Bayerische Vorgeschichtsblätter 68, 2003.
S. 58
[4] Zuletzt umfangreich dargestellt bei M. Rind,
Höhenbefestigungen der Bronze- und Urnenfelderzeit. Der Frauenberg oberhalb
Kloster Weltenburg I. (Bonn 1999).
[5] H. Koschik, Die Bronzezeit im südwestlichen Oberbayern.
Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte A 50 (Kallmünz 1981)